„Warum habe ich eigentlich nie einen AED angeschafft?“ – Warum Unternehmen auf einen Defibrillator vorbereitet sein sollten
Es beginnt wie jeder andere Arbeitstag. Maschinen laufen, Telefone klingeln, Besprechungen finden statt und Kolleginnen und Kollegen gehen ihrer Arbeit nach. Niemand rechnet damit, dass sich innerhalb weniger Sekunden alles verändert.
Plötzlich bricht ein Mitarbeiter zusammen. Er reagiert nicht mehr und atmet nicht normal. Für einen kurzen Moment herrscht Unsicherheit. Dann übernimmt der erste Kollege die Herzdruckmassage, während eine andere Person den Rettungsdienst alarmiert. Alle hoffen, dass professionelle Hilfe möglichst schnell eintrifft.
Mitten in dieser Situation stellt jemand eine Frage, die den gesamten Raum verstummen lässt:
„Haben wir eigentlich einen Defibrillator?“
Niemand antwortet. Denn es gibt keinen.
Ob der Notfall gut ausgeht oder nicht – diese Frage bleibt häufig noch lange im Gedächtnis. Sie markiert den Moment, in dem vielen Verantwortlichen bewusst wird, dass Notfallvorsorge nicht erst mit dem Eintreffen des Rettungsdienstes beginnt. Sie beginnt bereits lange vorher.
Wenn jede Minute zählt
Ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand gehört zu den zeitkritischsten medizinischen Notfällen überhaupt. Das Herz pumpt kein Blut mehr durch den Körper, wodurch lebenswichtige Organe – insbesondere das Gehirn – nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.
Deshalb zählt in den ersten Minuten jede einzelne Handlung. Eine sofort begonnene Herz-Lungen-Wiederbelebung kann den Blutfluss zumindest teilweise aufrechterhalten. Liegt zusätzlich ein schockbarer Herzrhythmus vor, kann ein automatisierter externer Defibrillator (AED) dabei helfen, das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen.
Je früher diese Maßnahmen beginnen, desto größer sind die Chancen auf ein Überleben.
Gut zu wissen
Ein AED analysiert den Herzrhythmus automatisch. Ein Schock wird ausschließlich dann freigegeben, wenn dieser medizinisch erforderlich ist. Dadurch kann das Gerät auch von medizinischen Laien sicher eingesetzt werden.
Warum viele Unternehmen erst nach einem Notfall handeln
Kaum ein Unternehmer entscheidet sich bewusst gegen mehr Sicherheit. Viel häufiger wird die Anschaffung eines Defibrillators immer wieder verschoben.
Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe. Im betrieblichen Alltag stehen Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge, IT oder neue Arbeitsplätze meist im Vordergrund. Ein Herzstillstand wirkt dagegen wie ein Ereignis, das nur anderen passiert.
Erst wenn ein Notfall im eigenen Betrieb eintritt, verändert sich diese Wahrnehmung schlagartig.
Viele Verantwortliche berichten anschließend, dass sie sich nur eine einzige Frage gestellt haben:
„Warum habe ich mich nicht früher darum gekümmert?“
Nicht aus rechtlichen Gründen.
Nicht wegen möglicher Konsequenzen.
Sondern weil sie erkannt haben, dass die Anschaffung eines AED vergleichsweise einfach gewesen wäre.
Verantwortung endet nicht beim Verbandskasten
Unternehmen investieren selbstverständlich in Brandschutz, Feuerlöscher, Flucht- und Rettungswege oder persönliche Schutzausrüstung. Diese Maßnahmen gehören heute zu einem modernen Sicherheitskonzept.
Medizinische Notfälle erhalten dagegen häufig deutlich weniger Aufmerksamkeit.
Dabei kann ein Herz-Kreislauf-Stillstand überall auftreten – unabhängig davon, ob sich das Unternehmen in einem Bürogebäude, einer Produktionshalle oder einem Ladengeschäft befindet.
Betroffen sein können:
- Mitarbeitende
- Kunden
- Besucher
- Lieferanten
- Handwerker
- externe Dienstleister
Wer täglich Menschen auf seinem Betriebsgelände empfängt, übernimmt Verantwortung für deren Sicherheit. Ein AED ersetzt dabei weder den Rettungsdienst noch eine Erste-Hilfe-Ausbildung. Er ergänzt jedoch die betriebliche Notfallvorsorge sinnvoll und kann helfen, die Zeit bis zum Eintreffen professioneller Hilfe zu überbrücken.
Ist ein Defibrillator im Unternehmen vorgeschrieben?
Eine allgemeine gesetzliche Verpflichtung, einen AED im Unternehmen bereitzuhalten, besteht in Deutschland derzeit nicht.
Dennoch entscheiden sich immer mehr Betriebe freiwillig für die Anschaffung.
Die Gründe liegen auf der Hand:
- Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden und Besuchern
- Ergänzung des betrieblichen Arbeitsschutzes
- Verbesserung der Notfallvorsorge
- schnelle Hilfe bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
- steigendes Gesundheitsbewusstsein in Unternehmen
Die Entscheidung für einen Defibrillator ist deshalb meist keine Frage gesetzlicher Vorgaben, sondern Ausdruck eines verantwortungsvollen Sicherheitskonzepts.
Wer darf einen AED benutzen?
Eine der häufigsten Fragen lautet:
„Darf ich einen Defibrillator überhaupt benutzen, wenn ich kein Arzt bin?“
Die Antwort lautet eindeutig: Ja.
Automatisierte externe Defibrillatoren wurden speziell dafür entwickelt, auch von Personen ohne medizinische Ausbildung verwendet zu werden.
Sobald das Gerät eingeschaltet wird, führt es den Helfer Schritt für Schritt durch den gesamten Ablauf.
Moderne Defibrillatoren geben klare Sprachansagen. Viele Modelle verfügen zusätzlich über grafische Darstellungen oder sogar animierte Hilfen für die Herzdruckmassage.
Das Gerät entscheidet selbstständig, ob überhaupt ein Schock notwendig ist. Liegt kein schockbarer Herzrhythmus vor, wird auch kein Schock ausgelöst.
Dadurch wird das Risiko einer Fehlanwendung erheblich reduziert.
Merke
Der wichtigste Schritt bleibt immer derselbe: Sofort den Rettungsdienst alarmieren und unverzüglich mit der Herzdruckmassage beginnen. Ein AED ergänzt diese Maßnahmen – er ersetzt sie nicht.
Welche Unternehmen profitieren besonders von einem AED?
Grundsätzlich kann jeder Betrieb von einem Defibrillator profitieren. Besonders sinnvoll ist seine Bereitstellung überall dort, wo regelmäßig viele Menschen zusammenkommen oder längere Wege bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes entstehen können.
Dazu gehören unter anderem:
- Industrie- und Produktionsunternehmen
- HandwerksbetriebeLogistikzentren
- Bürogebäude
- Schulen und Bildungseinrichtungen
- Hotels
- Fitnessstudios
- Einzelhandel
- Pflegeeinrichtungen
- öffentliche Einrichtungen
- Vereine
Auch kleinere Unternehmen sollten das Thema nicht unterschätzen. Ein Herz-Kreislauf-Stillstand richtet sich weder nach der Unternehmensgröße noch nach der Anzahl der Beschäftigten.
Wo sollte ein AED im Unternehmen hängen?
Ein Defibrillator hilft nur dann, wenn er im Ernstfall schnell erreichbar ist.
Deshalb sollte bereits bei der Anschaffung über den richtigen Standort nachgedacht werden.
Geeignet sind zentrale Bereiche des Unternehmens, die möglichst von allen Personen innerhalb kurzer Zeit erreicht werden können.
Der Standort sollte gut sichtbar sein und mit dem international bekannten Rettungszeichen gekennzeichnet werden. Gleichzeitig sollte der Defibrillator jederzeit zugänglich sein und nicht in verschlossenen Büros oder Lagerräumen aufbewahrt werden.
In größeren Gebäuden kann es sinnvoll sein, mehrere Geräte an verschiedenen Standorten bereitzuhalten, damit lange Wege vermieden werden.
Wie schnell ist der Rettungsdienst wirklich vor Ort?
Viele Menschen gehen davon aus, dass der Rettungsdienst innerhalb weniger Minuten am Einsatzort eintrifft.
In der Praxis besteht die sogenannte Hilfsfrist jedoch aus mehreren einzelnen Schritten.
Zunächst muss der Notruf abgesetzt und die Situation geschildert werden. Anschließend wird ein Rettungswagen alarmiert, die Besatzung rückt aus und fährt zum Einsatzort. Vor Ort müssen die Einsatzkräfte das richtige Gebäude, den passenden Eingang und gegebenenfalls die richtige Etage finden.
Selbst bei sehr kurzen Anfahrtszeiten vergehen dadurch wertvolle Minuten.
Genau deshalb kommt den anwesenden Ersthelfern eine so wichtige Rolle zu. Sie können sofort handeln – lange bevor professionelle Hilfe eintrifft.
Kauf, Miete oder Leasing – welche Lösung ist sinnvoll?
Nicht jedes Unternehmen verfolgt dieselben Anforderungen oder verfügt über dasselbe Budget.
Deshalb gibt es heute verschiedene Möglichkeiten, einen Defibrillator bereitzustellen.
Viele Unternehmen entscheiden sich für den klassischen Kauf und investieren dauerhaft in ihre Sicherheitsausstattung.
Andere bevorzugen Miet- oder Leasingmodelle, bei denen die Kosten planbar bleiben und moderne Technik genutzt werden kann.
Welche Variante im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von den betrieblichen Anforderungen und den individuellen Rahmenbedingungen ab.
Unabhängig vom gewählten Modell gilt jedoch: Entscheidend ist nicht die Finanzierungsform, sondern dass im Ernstfall ein funktionsfähiger AED verfügbar ist.